Auf (überwiegend) stillen Wegen durchs Rofan

Vorbemerkung

Das Rofangebiet ist von Osten und Süden durch die Seilbahnen von Kramsach und Maurach "erschlossen" und vor allem im Bereich der letzteren in Richtung auf einen alpinen Fun-Park hergerichtet oder, sagen wir besser ganz offen, degeneriert worden. Insofern schätze ich mich glücklich, den Gschöllkopf noch schlicht als "Berg" und nicht als Unterbau für eine geschmacklose Aussichtsplattform und eine Oktoberfest-geeignete Schaustellerattraktion erlebt zu haben.

Schade vor allem um die Erfurter Hütte, die dadurch tagsüber den Charme einer touristischen Abfütterungsstation erhält.

Meine Wanderung mit zwei Hüttenübernachtungen führt von Norden – des Rofans stille Seite, sozusagen – in die eigentlich wunderschöne Landschaft dieses Gebirges zwischen Achenseefurche und Inntal.

Erster Tag

An der Schauertalalm
An der Schauertalalm
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Ausgangspunkt der Wanderung ist Steinberg am Rofan, zu erreichen ab Achenkirch abzweigend von der B 181. Das Auto wird am Parkplatz bei der Kirche (erstaunlicherweise immer noch gebührenfrei) abgestellt. Zunächst geht es einen Fußweg hinunter zu der Asphaltstraße, die am Mühlbach entlang weiter abwärts bis zu dessen Einmündung in die Grundache führt. Mit etwas unter 900 m Meereshöhe ist dort der tiefste Punkt der Tour erreicht. Rechtshaltend folge ich dem Forstweg, der in südlicher Richtung, gemächlich ansteigend und gelegentlich die Bachseite wechselnd, die Grundache aufwärts begleitet.

An ausgeschilderter Abzweigung geht's links nun etwas entschiedener aufwärts. Der Forstweg endet bald und geht in den Steig über, der den ganzen Schauertalgraben bis zum Sattel hinaufzieht. Auf halber Höhe gönne ich mir aber erst mal eine Rast an der unbewirtschafteten Schauertalalm.

Rückschau am Schauertalsattel
Rückschau am Schauertalsattel
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Dann geht es jetzt aber auch ernsthaft steiler den Graben hinauf (auf dem Foto von Bildmitte nach rechts oben). Sehr angenehm ist, dass fast auf der ganzen Strecke kühles Quellwasser bergab fließt, an dem ich mich jederzeit erfrischen kann. Auf dem Schauertalsattel auf 1810 m lasse ich mich auf weichem Gras zur wohlverdienten Pause nieder. Bis hierhin habe ich ca. dreieinhalb Stunden gebraucht – und bin noch keiner lebenden Seele begegnet. Wie schon gesagt: des Rofans stille Seite.

Im Rückblick nach Norden schweift der Blick über das ganze Steinberger Tal hinweg bis zu den Gipfeln des Guffert.

Links die Rofanspitze, am Nordhang der Rofanturm
Links die Rofanspitze, am Nordhang der Rofanturm
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Vom Sattel geht es weiter in die Senke des weithin bekannten Zireinsees. An dessen Westende schwenkt der Weg zum letzten Mal an diesem Tag ansteigend nach Süden um den Latschberg herum. Die Rofanspitze, Ziel des nächsten Tages, grüßt von Westen her. Der vorgelagerte Rofanturm mag die Extremkletterer reizen.

Blick von der Bayreuther Hütte  ins Alpbachtal
Blick von der Bayreuther Hütte ins Alpbachtal
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Recht gemütlich führt der Weg weiter abwärts bis zur Zireinalm. Nach einem kurzen Stück Almstraße wird diese in einer Linkskurve wieder verlassen. Einem bisweilen ruppigen Waldpfad folge ich bis zur Bergalm. Hier, fast schon direkt neben der Bayreuther Hütte, lasse ich mir die Jause schmecken, bevor ich schließlich zur Übernachtung in die Hütte einkehre. Sowohl der Kaiserschmarrn als auch die Aussicht ins Alpbachtal hinein rasten als bleibende Erinnerung ein.

Weitere Informationen zur Bayreuther Hütte gibt's auf der Hüttenhomepage.

Das letzte Wegstück vom Schauertalsattel bis zur Bayreuther Hütte dauert knapp anderthalb Stunden. Insgesamt ist der erste Tag in rund 5 Stunden Gehzeit zu bewältigen.

Zweiter Tag

Auf der Rofanspitze – Blick nach Osten über Zireinsee und Roßkogel bis ins Inntal
Auf der Rofanspitze – Blick nach Osten über Zireinsee und Roßkogel bis ins Inntal
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Heute geht es in fünfeinhalb Stunden über zwei schöne Gipfel bis zur Erfurter Hütte. Nach dem Frühstück in der Bayreuther Hütte muss ich erst mal wieder auf dem gleichen Weg bis fast zum Zireinsee zurück. Dann links bis zum Wegkreuz am Marchgatterl, von wo man nordwärts über die Angeralm zur Grundache und nach Steinberg absteigen könnte.

Mein Weg führt aber weiter in den Osthang der Rofanspitze hinein, erst in südlicher Richtung, dann rechtsschwenkend am Schafsteig diagonal hinauf. Der Steig endet nach dem letzten steilen Stück auf einer gemütlichen Gipfelwiese, aus der die eigentliche Rofanspitze auf 2259 m sich nur noch mäßig erhebt.

Entspannt im Gras schaue ich den Wanderern zu, die über den Sagzahn oder am Sagzahn vorbei zum Vorderen Sonnwendjoch unterwegs sind. Dann schließlich in wenigen Minuten weiter hinauf zum Gipfelkreuz. Bis hierhin sind es gut 2 1/2 Stunden von der Bayreuther Hütte.

An der Zireinalm
An der Zireinalm
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Rofanspitze – die Ostwand
Rofanspitze – die Ostwand
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Aufstiegsweg, Blick zum Hubschrauberlandeplatz
Aufstiegsweg, Blick zum Hubschrauberlandeplatz
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Der Blick über Grubasee und Grubalackenspitze zur Haidachstellwand (Bildmitte, hinter dem quer verlaufenden Kamm)
Der Blick über Grubasee und Grubalackenspitze zur Haidachstellwand (Bildmitte, hinter dem quer verlaufenden Kamm)
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Dort am Gipfel ist es mit der Einsamkeit des Rofans allerdings vorbei. Dem schönen Wetter entspricht die Zahl der Wanderer, die mit der Rofanseilbahn bis zur Erfurter Hütte heraufgekarrt worden sind und den relativ kurzen Aufstieg zur Rofanspitze gemacht haben.

Ein kurzer Abstieg in den Sattel zwischen den Roßköpfen und der Grubalackenspitze, und dann geht's wieder bergauf zum zweiten Gipfelziel, der Haidachstellwand (2192 m). Klingt fast wie IKEA, ist aber ein herrlicher Aussichtspunkt mit viel Gras ums Gipfelkreuz und einer luftigen Einlage beim Abstieg. Absolut empfehlenswert. Bis dahin knappe 1 1/2 Stunden von der Rofanspitze.

Die folgenden Fotos können das phantastische Rundumpanorama nur bedingt wiedergeben. Man muss einfach mal oben stehen.

Ausblick ins Zillertal
Ausblick ins Zillertal
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Dalfazer Wände bis zum Streichkopf
Dalfazer Wände bis zum Streichkopf
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Karwendel: Ausblick übers Falzthurntal bis zur Birkkarspitze
Karwendel: Ausblick übers Falzthurntal bis zur Birkkarspitze
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Felsabsatz beim Abstieg
Felsabsatz beim Abstieg
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Nach ausgiebiger Gipfelrast (die fast in ein Mittagsnickerchen ausartet) geht's nun definitiv abwärts in generell westlicher Richtung. Die schon erwähnte Felsstufe wird mit Drahtseil- und Eisenbügelhilfe flott abwärts überwunden. Abwechslungsreich zieht sich der Steig in rund 1 1/2 Stunden bis zur Mauritzalm.

Gemäß meinem Vorsatz, keine Jausenstation auszulassen, lasse ich mich hier zur Stärkung nieder. Zur Erfurter Hütte (1831 m) ist es dann nur noch ein Katzensprung, für den ich mir aber Zeit lasse, bis gegen Abend die Rofanseilbahn die letzte Kabine und damit auch die Masse der Touristen talwärts geschaukelt hat.

Mit Speis und Trank auf der Hütte klingt der Tag aus – "gemütlich" hätte ich noch dazugesetzt, wäre nicht eine männliche Wandergruppe am Nebentisch unter dem Motto "Wir haben keine Geheimnisse, jeder darf (und muss unweigerlich) hören, was wir zu besprechen haben" aufgetreten.

Ja, das war dann eben des Rofans nicht mehr so stille Seite ...

Dritter Tag

Der Weg zur Dalfazalm
Der Weg zur Dalfazalm
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Der Weg nach Steinberg führt dann aber spätestens nach Passieren der Dalfazalm, die ich von der Erfurter Hütte herüberquerend nach 40 Minuten erreiche, zurück ins stille Rofan.

Von der Dalfazalm (1692 m) mit schönem Ausblick über den Achensee geht es noch mal auf 1976 m hinauf, wo das Kotalmtörl den Durchstieg durch den hufeisenförmigen Kamm erlaubt, der den Almgrund der Kotalm umschließt. Zwischen kleinen und großen Felsen fällt der Weg am verfallenen Hochleger vorbei ab bis zum Mitterleger.

Nur ein kleines Stück muss ich auf dem schottrigen Almweg weiter, dann zweigt der Steig ab, der am Waldhang fast eben hinüberführt zum Kögljoch. Das Joch ermöglicht zwischen Unnutzmassiv im Norden und der Rofankette im Süden den Übergang zwischen Achensee und Steinberg – außer der Fahrstraße nördlich um den Unnutz herum der einzige Weg von Westen nach Steinberg.

Der Achensee von der Dalfazalm
Der Achensee von der Dalfazalm
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Am Kotalmtörl
Am Kotalmtörl
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Der verfallene Kotalm-Hochleger
Der verfallene Kotalm-Hochleger
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Nur eine halbe Stunde vom Joch entfernt liegt die Schönjochalm. Die Bewirtschaftung – damals jedenfalls – eine Kombination von ebenso rustikal wie originell. Auf jeden Fall unvergesslich, im durchaus positiven Sinne gemeint.

Am Ende ein Hatscher auf der Almstraße zurück bis Steinberg. Auch dieser Tag schlägt noch mal mit gut 5 Stunden zu Buche.

(Autor: Axel Müßigbrod)