Ins Reintal rein
Die Idee
Erster Tag
Anreise aus Beckum: Die A 95 Richtung Garmisch verlasse ich immer schon an der Anschlussstelle Murnau/Kochel, weil die Fahrt über die Kesselbergstraße und am Walchensee entlang interessanter ist. Mittagessen in Krün. Dann von Klais per Mautstrasse Richtung Schloss Elmau, ein Luxushotel für Gutbetuchte. Kann ich sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinn links liegen lassen. Ein kurzes Stück weiter endet die Straße bei einer Reihe verstreuter Wanderparkplätze. Mit Mühe finde ich noch ein Plätzchen, wo ich mein Auto reinquetschen kann.
Erstmal geht es auf Forstwegen durch Wald stetig aufwärts. An der Wettersteinalm ist die erste Rast angesagt.
Die Alm liegt sehenswert unter den Nordhängen der Wettersteinkette. Ab hier kann man entweder weiter über den Forstweg zum Schachenhaus gehen, oder einem Steig über das Schachentor folgen. Karten unterschiedlichen Alters hatten diesen Steig mal eingezeichnet, mal wieder nicht. Da aber andere Wanderer ohne Anzeichen finaler Erschöpfung von diesem Weg auflaufen, lasse ich mich auch auf diese Wegvariante ein. Die richtige Entscheidung, denn abwechslungsreich teils flach, teils steil, führt der Steig zum Schachentor, der Einsattelung zwischen Wettersteinkamm und dem Schachentorkopf. Mit 1873 m der höchste Punkt des Tages und immerhin ca. 850 hm über dem Ausgangspunkt.
Der Beginn des Schachentorsteigs ist auf dem Foto direkt hinter der Alm zu erkennen.
Nach dem Schachentor quert der Steig noch ein Schotterfeld und vereint sich dann wieder abfallend mit dem Forstweg zu den letzten Metern zum Schachenhaus. Ich beziehe einen Schlafplatz im Lager und bin nach dem Abendesssen frühzeitig im Hüttenschlafsack, so dass ich trotz vieler Mit-Nächtiger zu langer und ungestörter Nachtruhe komme.
Für den Weg von Elmau bis zum Schachenhaus habe ich 3:20 Stunden gebraucht.
Für die Besichtigung des Königshauses am Schachen bin ich allerdings zu spät dran. Vielleicht ein andermal ...
Zweiter Tag
Durch rechtzeitiges Aufstehen und Auslassen des Frühstücks - ein Haferl Tee genügt mir - bin ich wieder ungestört unterwegs und mache mich auf zum Abstieg ins Reintal.
Tja, da stehe ich jetzt leicht überrascht und stelle fest, dass die dicke rote Linie in der Karte dem Fernwanderweg E4 geschuldet ist - vom Charakter des Steigs wäre eigentlich die dünne gepunktete Linie angesagt, und das DAV-Schild am Beginn verlangt in üblicher gebieterischer Weise die alpine Erfahrung, Trittsicher- und Schwindelfreiheit. Also dann hinab - sehr steil, allerdings selten ausgesetzt, und die zahlreichen Drahtseile eigentlich eher als Hilfen zum Aufstieg gedacht. Nichtsdestoweniger ein Abstieg, der die nicht mehr so jungen Knochen ordentlich fordert.
Als ich nach 2:40 Stunden die Bockkütte zur ersten Rast erreiche, bin ich reichlich geschafft. Ein umfangreicher Brotzeitteller hilft die investierten Kalorien zu ergänzen.
Am linken Ufer der Partnach führt der Weg dann weiter zur Reintalangerhütte. Durch die Lage am Talschluss ist sie genau so abgelegen wie eine Hochgebirgshütte, denn weder durch Fahrweg noch durch Materialseilbahn kann sie versorgt werden - Hubschraubertransport ist die einzige Möglichkeit. Einige Handwerker, die zu der Zeit in der Umgebung werkelten, sind morgens und abends mit Enduros gefahren. So relativiert sich die Höhe von "nur" 1369 m.
Unterwegs zeigt sich, dass mir der Abstieg ins Tal doch ziemlich in die Beine gegangen ist. Ich gebe daher die Idee auf, noch bis zur Knorrhütte zu gehen, und gönne mir nach 2 Stunden Anmarsch einfach die Ruhe. Wäre auch einfach schade, die traumhafte Lage der Hütte nicht entspannt zu genießen.
Dritter Tag
Am Morgen ertönt der legendäre musikalische Weckruf des Hüttenteams um 06:00 Uhr. Das Frühstück wird auf der Terrasse eingenommen, und ich lasse mein Bett gleich für die nächste Übernachtung reservieren.
Mit etwas leichterem Gepäck aufgerödelt beginne ich den Weg zur Knorrhütte. Eine Brücke quert kurz hinter der Hütte die Partnach, so dass man den Partnachursprung rechts liegen lassend noch ein Stück flach dem Talschluss entgegenwandert. Dann geht's auch mal steiler und abwechslungsreich hinauf zum Zugspitzplatt, das an der Knorrhütte sozusagen seinen Außenposten markiert.
An der Hütte widme ich mich ausgiebig dem Sonnenschein, der Aussicht, dem Bier und der Jause, sowohl in der Reihenfolge als auch kombiniert.
Mit 2052 m liegt die Knorrhütte rund 700 hm über dem Reintal. Für Auf-und Abstieg zusammen brauche ich 4 1/4 Stunden.
Partnachufer und die Reintalangerhütte sind heute weniger frequentiert, und ich genieße die Ruhe bei kleinen Erkundungen in der Umgebung.
Vierter Tag
Ausgeruht wandere ich aus dem Reintal hinaus und kann viel besser als vor zwei Tagen die Schönheit der Gebirgslandschaft würdigen. Nach 1:40 Stunden bin ich wieder zur Jause an der Bockhütte.
Von der Bockhütte führt der der Weg am linken Partnachufer stetig fallend nordwärts. An der Einmündung des Ferchenbachs führt eine Brücke aufs rechte Ufer und dann weiter in die Partnachklamm. Hier ist mit ca. 800 m mein geografischer "Tiefpunkt" erreicht.
Nach rechts entlang des Ferchenbachs geht es zurück nach Elmau. Der Weg ist zwar wegen Forstarbeiten unter Androhung von Lebensgefahr gesperrt, was mich bei einer gegen 30° tendierenden Temperatur aber überhaupt nicht zu einem weiteren Umweg veranlassen kann.
Stetig aufwärts und selten durch Schatten gesegnet zieht es sich - gefühlt unendlich - bis zum Parkplatz bei Elmau. Tatsächlich 3 Stunden Gehzeit ab Bockhütte.
Ich entlasse die 70° Innenraumwärme aus meinem Auto, rödle mein Wanderzeug ab und fahre nach Wallgau ins Wochenendquartier - sehr gutes Quartier, und deshalb sei's hier auch lobend empfohlen: Haus Isarmärchen in der Flößerstraße.
Am Abend bricht ein Hagelsturm los. Na bitte - perfektes Timing.










