Brünnstein und Großer Traithen
Unter meinen Lieblingshütten in den Bayrischen Alpen nimmt das Brünnsteinhaus einen Spitzenplatz ein. Hier stimmt einfach alles, innen und außen. Die modernisierten Zimmer und Lager einfach Spitze, Sanitär erstklassig, Essen prima, freundliche Wirtschaft durch Petra und Sepp (Details auf der Hüttenhomepage). Und draußen der Ausblick ins Kaisergebirge und bis zum Großvenediger. Daher ist diese Tour mit zwei Hüttenübernachtungen nach folgendem Schema angelegt:
- Aufstieg zur Hütte und Brünnsteinbesteigung am Anreisetag
- Traithenrunde (Tagestour)
- Abstieg
Erster Tag. Beim Start (frühmorgens) im Raum Beckum erreiche ich den Ausgangspunkt der Tour gegen Mittag. Ich folge der Deutschen Alpenstraße (B 307) über Bayrischzell zum Wanderparkplatz, zu dem ein Weg nach rechts wenige hundert Meter vor dem Hotel "Feuriger Tatzlwurm" führt. Wer sich bis zum Hotel verfährt, dreht einfach um und kann dann den Weg nicht verfehlen. Vom Parkplatz geht es teils auf Waldwegen, teils auf Almstraßen stetig aufwärts (Markierung 657). Nach Regen weist der Weg einige recht unangenehme Stellen auf, deshalb lieber nicht gleich nach einer Schlechtwetterphase begehen. Eine harmlose Kletterstelle ist drahtseilgesichert.
Wenn man die Almstraße zur Groß-Alm quert und damit den größten Teil des Aufstiegs schon hinter sich hat, liegt der Brünnstein fast genau südlich. Der Rest des Weges umrundet den Felsklotz östlich, wobei sich allmählich das Panorama auf das Kaisergebirge und das Inntal auftut. Und ziemlich unvermittelt betrete ich den Biergarten der Hütte im Schatten mächtiger Bäume. Der Aufstieg ist für den durchschnittlichen Geher in knapp zwei Stunden zu schaffen.Â

Nach ausgiebiger Rast bleibt mir noch genügend Zeit für die Besteigung des Brünnstein. Ich nehme den Normalweg – die Alternative ist der Klettersteig um den Osthang herum – durch den Wald westwärts, dann steiler nordostwärts hinauf. Ein Drahtseil hilft über den letzten steilen Abschnitt hinauf zur Gipfelkapelle.
Das Bild zeigt das Gipfelkreuz von der Kapelle aus, dahinter der Wendelstein.
Der Aufstieg vom Brünnsteinhaus zum Brünnsteingipfel dauert ca. 45 Minuten.
Zurück am Brünnsteinhaus bleibt der Rest des Tages der Gemütlichkeit gewidmet.
Zweiter Tag. Zuerst geht es fast eben hinüber zur Himmelmoosalm und zum großen Wegekreuz, dann dem Schotterweg Richtung Seeonalm folgen und gleich links auf einen Steig abbiegen, der sich knapp südwärts vom Kamm des Steilner Jochs hinzieht, bis man schließlich durch Latschengassen den Gipfel des Steintraithen (1748 m) erreicht. Die Aussicht entschädigt reichlich für die monströse Hässlichkeit des Gipfelkreuzes.
Der Weg zieht sich dann weiter am Kamm entlang über das wenig ausgeprägte Unterberger Joch (1829 m), bis ich schließlich nach knapp drei Stunden den Gipfel des Großen Traithen (1854 m) erreiche.Â
Nach ausgiebiger Rast und Gipfelrundschau steige ich nordwärts in den Sattel zwischen Großem und Kleinem Traithen ab. Die Fellalm ist bewirtschaftet und ich genieße die Jause mit Weißbier und Schnittlauchbrot in der Mittagssonne.
Der Rückweg führt nördlich des Traithenkamms über die Seeonalm sehr gemütlich zum Wegekreuz, wo sich die Rundtour schließt. Ein Marterl unterwegs erinnert daran, dass auch die "leichten" Touren Umsicht und Respekt vor dem Berg erfordern. Statt auf dem bereits bekannten Steig kann man ab der Himmelmoosalm auf dem parallel verlaufenden Almweg zurückwandern.
Bei der Ankunft am Brünnsteinhaus bin ich rund fünfeinhalb Stunden auf den Beinen gewesen.Â

Dritter Tag. Wie schon gestern über die Himmelmoosalm Richtung Seeonalm, dann rechts abbiegend auf abwechslungsreichem Steig (Markierung 653) zur Seelacher Alm.
Ab der Alm gemütlich auf Almwegen weiter abwärts, bis man auf den Aufstiegsweg trifft und hinunter zum Wanderparkplatz.
Für den Abstieg auf dieser Variante brauche ich gut zwei Stunden. Fast noch der ganze Tag frei zum nächsten Ziel ...
Eine Alternative. Das Brünnsteinhaus ist natürlich auch von anderen Ausgangspunkten erreichbar. Von den möglichen Alternativen sei hier kurz die skizziert, die ich im Herbst 2004 gegangen bin.
Von Bayrischzell fährt man auf der Tiroler Straße Richtung Ursprungpass bis zum Wanderparkplatz am Nesseltal. Der Weg führt im Nesseltal hinauf bis zum Talschluss und rundet dann mit schönem Panorama zur Brünnstein-Südseite herum. Man muss bei dieser Variante mit rund dreieinhalb Stunden Gehzeit bis zum Brünnsteinhaus rechnen.Â
Am nächsten Tag wird über den Großen Traithen gewandert wie weiter oben schon beschrieben. Ab der Fellalm geht es dann in westlicher Richtung talwärts hinunter.
Einfach machte es mir diese Variante nicht: Erstens war der Beginn des Abstiegswegs nicht leicht zu finden, so dass ich mich erst mal im Gelände verkaspert habe (VOR der Fellalm über die sumpfige Wiese hinunter, bis irgendwann Wegmarkierungen auftauchen). Dann stellte sich die Geländebezeichnung "Trockenleiten" als grob irreführend heraus – ich bin weder vorher noch nachher je über einen derart morastigen Steig gelaufen und schätze mich heute noch glücklich, nicht bis über den Rand der Bergschuhe im Schlamm versunken zu sein. Vielleicht ist es im Sommer ja doch einfacher ... jedenfalls brauchte ich gut zwei Stunden bis ins Tal und noch eine halbe Stunde zum Parkplatz.
Weite Wege bis zur nächsten Unterkunft sollte man bei dieser Variante nicht einplanen. Tipp: Übernachtung in Bayrischzell und Abendessen im Biergarten des Gasthofs Wendelstein.
(Autor: Axel Müßigbrod)







