Einmal über den Unnutz
Wer schon mal über den Achenpass ins Achenseetal gefahren ist, hat zur Linken den Felsklotz gesehen, der dem Ort Achenkirch im Winter so "unnütz" die Sonne vorenthält. Topografisch zum Rofan gezählt, ist der Unnutz – wie auch der Guffert – ein ganzes Stück nördlich vom zentralen Rofan abgesetzt. Die Überschreitung des Unnutz ist als mittelschwere Tagestour für den passionierten Wanderer einzustufen. Rund 1100 Höhenmeter Aufstieg sind zu bewältigen.
Das Bild zeigt den Unnutz in seiner "Dreigipflichkeit" mit Hinterunnutz, Hochunnutz und Vorderunnutz. Der Aufstieg führt zum Kreuz (s. u.) etwas links vom Sattel zwischen Hinter- und Hochunnutz. Ganz links hinter dem Unnutz zeigt sich auch der Guffert.
Die Tour beginnt bei der ziemlich verwahrlosten Station des Sonnberglifts gleich neben der Bundesstraße 181. Ein gut bezeichneter Steig führt in ungefähr einer Stunde konsequent aufwärts zur Zöhreralm auf 1334 m. Wer es etwas weniger steil möchte, kann auch dem Almweg folgen, der sich mit seinen Serpentinen natürlich länger hinzieht.
Bei meinem ersten Besuch auf der Alm 2001 war nur mit Glück eine Bewirtschaftung vorhanden. Seitdem hat sie sich zu einer netten Jausenstation gemausert, auf der man nicht nur den Flüssigkeitsspiegel vor dem weiteren Aufstieg ergänzen sollte. Auch die Aussicht übers Achenseetal ins Karwendel und nördlich bis in die Blauberge lohnt die Einkehr – das Holzkirchner Oberbräu sowieso.

Dann geht's aber weiter, und der Steig kennt nur noch eine Richtung: aufwärts. Genügend Getränk mitnehmen, denn ab jetzt dauert es mindestens vier Stunden, bis man wieder eine Wasserstelle (oder etwas Besseres) erreicht. Durch Latschen und Felsen zieht der Steig aufwärts, bis ich am großen Kreuz zur Rast anhalte. Der Gipfel ist allerdings noch ein ganzes Stück entfernt: noch mal etwas abwärts in eine Mulde, wo die Gemsen grasen, und zuletzt über einen felsigen Wiesenhang hinauf zum ersten Gipfelziel, dem Hochunnutz (2075 m).
Lange halte ich mich hier nicht auf, denn der Ausblick auf die nächste Etappe motiviert zum Schnell-hinter-sich-Bringen: Erst ein schottriger Hang von der unangenehmen Sorte - zum Klettern viel zu flach, zum Gehen fast zu steil. Dann halbwegs gemütlich über den Sattel dazwischen und schließlich in leichter Kletterei in den steilen Osthang des Vorderunnutz, der zu guter Letzt in eine hübsche Gipfelwiese übergeht. Auf ihrem höchstem Punkt (2078 m) steht das schlichte Gipfelkreuz des Vorderunnutz.
Der Abstieg vom Vorderunnutz nach Süden führt über ruppige Steige hinunter zur Köglalm. Normalerweise eine verlässliche Jausenstation, aber ausgerechnet heute habe ich Pech, das Almpersonal scheint anderweitig beschäftigt zu sein. Also wechsle ich nur ein paar Worte mit den Ziegen und steige weiter ab zum Achensee.
Das letzte Stück der Wanderung ist ätzend: entlang der Bundesstraße zurück zum Sonnberglift. Leider nicht anders machbar. Am Auto bin ich dann rechtschaffen froh, aus den Wanderschuhen zu kommen. Nach sechseinhalb Stunden Gehzeit haben die Füße eine Erholung verdient – und auch nötig.











